Die Knappen
Der Erzbergbau von Pflersch und Gossensaß im Mittelalter und
in der frühen Neuzeit
Die erste Bergbautätigkeit ist in Pflersch und Gossensaß
erstmals im 13. Jahrhundert historisch nachweisbar. Ein
landesfürstliches Urbar aus dem Jahre 1288 nennt einen Hof
in Pflersch zur „Silberplatte“. Dies ein deutlicher
Hinweis auf die bergbauliche Gewinnung von Silber.
Im 14. Jahrhundert ist die Quellenlage noch wenig
ergiebig, aber am Beginn des l5. Jahrhunderts erfährt man,
historisch dokumentiert, schon mehr, beispielsweise vom
Zusammenschluss mehrerer Gewerken zu einem „Gossensasser
Handel“, und was noch interessanter ist: Der Landesfürst
Herzog Friedrich IV. selbst, nämlich der, den man „mit der
leeren Tasche“ nennt, erwarb Grubenanteile in Pflersch und
Gossensaß, und die Einnahmen daraus waren recht beachtlich,
wie ein Dokument aus dem Jahre 1426 beweist.
Im Jahre 1427 wurde der gesamte Bergbau in
Gossensaß und Umgebung durch die Schaffung einer
Bergbauordnung auf eine stabile rechtliche Grundlage
gestellt. Vorbild dafür war der Schladminger Bergbrief von
1408.
Zwei Jahrzehnte später gab es einen eigenen Silberwechsler
und den ersten Bergrichter, was auf eine hohe
Silberproduktion und auf einen großen Bergbaubetrieb
schließen lässt.
1468 waren Bergrichter und Geschworene aus
Gossensaß in Schwaz, um im Auftrag des Landesfürsten die
dortigen Bergbauverhältnisse zu überprüfen und Gutachten
darüber abzugeben. Damit ist klar, das südliche Wipptal, vor
allem Gossensaß und Pflersch, war bis in die zweite Hälfte
des 15. Jahrhunderts Zentrum des Tiroler Bergbaus!
Erst am Ende des genannten Jahrhunderts wandelte sich die
wirtschaftliche Entwicklung. In Schwaz waren nämlich
umfangreiche Silbervorkommen entdeckt worden, weshalb
sich die Produktion von Silber immer mehr dorthin
verlagerte. Zum Ausbringen des Silbers aus den
kupferhaltigen Gesteinen war beim Schmelzprozess Blei
notwendig, und das wurde nun hauptsächlich in den Bergbauen
des südlichen Wipptales, darunter Gossensaß und Pflersch,
gewonnen. Als Zulieferbetriebe blieben sie aber noch
Jahrhunderte von großer Bedeutung, da ohne ihr Blei die
Silberproduktion in Schwaz nur in sehr eingeschränktem Maße
möglich gewesen wäre. Natürlich wurde in den Bergbauen von
Gossensaß und Pflersch auch weiterhin Silber gewonnen, doch
im Vergleich zu Schwaz, in bescheidener Menge. Trotzdem
waren die Knappen des Berggerichts Gossensaß-Sterzing weitum
bekannt. Im Jahre 1489 kam sogar eine russische
Gesandtschaft nach Innsbruck, um erfahrene Bergknappen aus
Tirol anzuwerben.
Im Jahre 1510 erließ Kaiser Maximilian I.
für Gossensaß und die anderen Bergbaue im Berggericht
Gossensaß-Sterzing eine neue Bergwerksordnung, und
bis zu dem Zeitpunkt blieben diese Bergbaue auch
ertragreich. Bald schon finden sich in den Quellen aber
immer mehr Gesuche von Gewerken um Befreiung von der Fron
für eine bestimmte Zeit oder um Gewährung von Darlehen und
Krediten. Dies waren mit Sicherheit deutliche Hinweise auf
jenen allgemeinen Niedergang des Bergbauwesens im
Berggericht Gossensaß-Sterzing in der zweiten Hälfte des 16.
Jahrhunderts. Der enorme Bleibedarf führte in den
Bergbaurevieren des südlichen Wipptales aber auch zu einem
starken Raubbau, der letztlich, verbunden mit den im
Bergbau immer höher werdenden Investitionskosten, diese
rückläufige Entwicklung noch beschleunigte.
Wichtige Abbaugebiete in Gossensaß und Pflersch:
In Gossensaß am Altenberg und in der Schadleiten, in
Gattern, im ersten kleinen Weiler des Pflerscher Tales, in
Ast, ein Weiler direkt an der heutigen Bahntrasse, das
Gebiet um den Röckbachgraben mit den größten und tiefsten
Stollen bis in die Almen von Ladurns hinauf, der obere Teil
des Toffringtales (die Silberböden!), am Bodnerberg, im
Weiler Erl das „Erlpacher Bergbaurevier, das Schafalpenkar
am Südhang der Weißwandspitze, im Lidofens- und Allrießtal,
in Stein, dem letzten Weiler des Tales, die Felsschlucht
„Hölle“, die „Furtalm“und verschiedene andere Bergbaureviere
noch.
Autor:
Mag. Dr. Harald Kofler
Pflerscher Str. 20
39040 Gossensass |